Mittwoch, 4. Juli 2007
Nur durch den Gegensatz existiert der jeweils andere Zustand
Als ich mich gestern Morgen um halb sechs ins Auto gesetzt habe,
um wegen eines Termins in Hamburg, in Richtung Köln Bonner Flughafens zu fahren,
trällerten kurz nachdem mein alter Escort angesprungen war erst mal die Lokalnachrichten zu Ende.
Dann folgte irgendeine Melodie eines Liedes,
das ich seit ungefair 20 Jahren kenne, aber nichts mit
dem ursprünglichen Hit von Erasure zu tun hatte.
Hörte sich zwar irgendwie ganz gut an, aber wenn man das Original kennt...
Na ja, die Zeiten ändern sich halt. Obwohl, wenn ich genauer nachdenke, dann hat glaube ich, hat sogar schon Erasure den Hit damals gecovert. Wenn ich nicht irre, von Abba.
Aber dies sollte jetzt gar nicht das Thema sein.
Das Lied ist also zu Ende, und irgend so ein Pfarrer, der von dem Privatsender um seine Morgendliche theologischen Meinung gefragt wird, damit der Sender seinen Allgemeinwohl Faktor nicht verliert, teilt er uns seine Sichtweise des Lebens mit. Dies ist dann die staatlich erzwungene Regelung damit die Lizenz zum senden erteilt wird. Den Privat Sendern gefällt dies zwar auch nicht, aber was wollen Sie machen?
An jedem anderen Morgen würde ich es machen wie 95 Prozent aller anderen Hörer auch. Umschalten.
Heute aber nicht.
Ich war einfach noch zu müde und zu faul um auch nur diese eine unnötige Bewegung zu machen.
Also höre ich zu.
Und siehe da, vielleicht sollte ich das öfter machen.
Der Priester, Pastor, Seelsorger oder wie auch immer, erzählte eine Geschichte die mir gefiel.
Ein Mann, wenn ich mich recht erinnere so ca. 50 Jahre alt, verliert seinen Arbeitsplatz.
Der Priester, wie ich Ihn jetzt der Einfachheit halber nennen werde, besuchte den frisch Gekündigten. Kampf,- und Siegessicher erzählt er dem Priester, das er sich das so nicht gefallen ließe. „Die werden schon sehen was DIE davon haben. So schnell gebe ich nicht auf“. Dem Priester gefiel diese Einstellung zum Leben und er bestärkte den Mann in seiner Entscheidung nicht auf zu geben.
Dann haben die beiden sich länger nicht gesehen. Irgendwann war der Priester noch mal zu Besuch.
Der immer noch „Arbeitsuchende“ saß bei herrlichem Wetter auf der Terrasse seines kleinen Häuschens. Eine Gläschen Wein vor sich stehend genoss er, so scheinbar, seine freie Zeit.
„ Mir ist das egal, mir ist eh alles egal. Dann habe ich eben keine Arbeit. Ja und? Ich komme auch so über die Runden. Das interessiert mich alles nicht mehr.“
Der Priester hörte sich die Geschichte des Mannes an und glaubte Ihm. Er glaubte Ihm, das er seinen Weg gefunden hat mit der Arbeitslosigkeit umzugehen.
Und genau das war wohl falsch.
Beim hinausgehen hatte der Priester noch einen kurzen Plausch mit der Ehefrau. Sie sagte dem Priester, das Ihr Mann gar nichts akzeptiert hat. Es ist Ihm nicht egal. Er hat nur einen Schutzwall um sich aufgebaut. Er verdrängt die Situation, und deshalb ginge es Ihm gut. Scheinbar. Und nur nach außen hin. In Ihrem Mann sieht das ganz anders aus.
Aber Sie könne leider nichts für Ich tun. Wie auch. Soll Sie Ihm Arbeit beschaffen?
Ihr Mann hat abgeschaltet. Lässt nichts mehr an sich heran.
Beim nächsten Besuch des Priesters in diesem Hause, hat er der Frau Beistand geleistet und die kirchlichen Formalitäten für die Beerdigung geregelt. Die Beerdigung für Ihren Mann.
Er war vollkommen gesund. Aber er wollte nicht mehr.
Scheinbar kam er mit seiner Situation klar. Aber er hat verdrängt. Nicht verarbeitet.. Er hat nichts schlechtes mehr an sich herangelassen. Es war Ihm ja egal. Scheinbar. Aber dadurch das er nichts negatives mehr an sich herangelassen hat, dadurch hat er auch nichts positives mehr wahrgenommen. Wo keine Täler sind, da können keine Berge sein. Und wo keine Berge, oder nichts positives mehr ist. Da will man nicht Leben. Der Mann hätte besser auf seine alte Firma geflucht und denen vor lauter Frust nen Stein durchs Fenster geworfen. Er hätte laut schimpfen sollen und an der Theke mit der Faust gegen „seinen“ alten Laden wettern müssen. Nur dann hätte er abends vorm schlafen gehen die positiven Seiten des Lebens sehen können. Den Kindern geht es gut. Ich habe mein ein,- und auskommen. Das Haus ist bezahlt. Ich bin gesund. Ich habe eine liebe Frau usw. ... Aber er hat diese ganze Gebirge aus den unzähligen Bergen nicht sehen können, weil es für Ihn keine Täler mehr gab. Weil er die Tiefen des Lebens ignorierte konnte er die Höhen nicht mehr sehen. Und wenn es keine Höhen gibt ist das Leben nicht Lebenswert. Kein Zustand kann ohne seinen Gegensatz existieren. Ohne dunkel kein hell. Ohne krank kein gesund. Ohne böse kein gut und ohne Täler wie in diesem Fall, keine Berge. Und ein Leben ohne Berge war für Ihn nicht Lebenswert.
Deshalb hat er sich gegen sein Leben entschieden.
Lasst zu wenn es Euch schlecht geht. Wenn Ihr das nicht tut, könnt Ihr Euch auch nicht am Leben freuen.
Und das Leben ist verdammt schön und einzigartig.
Auch wenn es so oft schwierig ist.
Aber genau diese Schwierigkeiten lassen uns die positiven Dinge des Lebens erst bewusst wahrnehmen.
Ein lieber Gruß
Gereon Kops
um wegen eines Termins in Hamburg, in Richtung Köln Bonner Flughafens zu fahren,
trällerten kurz nachdem mein alter Escort angesprungen war erst mal die Lokalnachrichten zu Ende.
Dann folgte irgendeine Melodie eines Liedes,
das ich seit ungefair 20 Jahren kenne, aber nichts mit
dem ursprünglichen Hit von Erasure zu tun hatte.
Hörte sich zwar irgendwie ganz gut an, aber wenn man das Original kennt...
Na ja, die Zeiten ändern sich halt. Obwohl, wenn ich genauer nachdenke, dann hat glaube ich, hat sogar schon Erasure den Hit damals gecovert. Wenn ich nicht irre, von Abba.
Aber dies sollte jetzt gar nicht das Thema sein.
Das Lied ist also zu Ende, und irgend so ein Pfarrer, der von dem Privatsender um seine Morgendliche theologischen Meinung gefragt wird, damit der Sender seinen Allgemeinwohl Faktor nicht verliert, teilt er uns seine Sichtweise des Lebens mit. Dies ist dann die staatlich erzwungene Regelung damit die Lizenz zum senden erteilt wird. Den Privat Sendern gefällt dies zwar auch nicht, aber was wollen Sie machen?
An jedem anderen Morgen würde ich es machen wie 95 Prozent aller anderen Hörer auch. Umschalten.
Heute aber nicht.
Ich war einfach noch zu müde und zu faul um auch nur diese eine unnötige Bewegung zu machen.
Also höre ich zu.
Und siehe da, vielleicht sollte ich das öfter machen.
Der Priester, Pastor, Seelsorger oder wie auch immer, erzählte eine Geschichte die mir gefiel.
Ein Mann, wenn ich mich recht erinnere so ca. 50 Jahre alt, verliert seinen Arbeitsplatz.
Der Priester, wie ich Ihn jetzt der Einfachheit halber nennen werde, besuchte den frisch Gekündigten. Kampf,- und Siegessicher erzählt er dem Priester, das er sich das so nicht gefallen ließe. „Die werden schon sehen was DIE davon haben. So schnell gebe ich nicht auf“. Dem Priester gefiel diese Einstellung zum Leben und er bestärkte den Mann in seiner Entscheidung nicht auf zu geben.
Dann haben die beiden sich länger nicht gesehen. Irgendwann war der Priester noch mal zu Besuch.
Der immer noch „Arbeitsuchende“ saß bei herrlichem Wetter auf der Terrasse seines kleinen Häuschens. Eine Gläschen Wein vor sich stehend genoss er, so scheinbar, seine freie Zeit.
„ Mir ist das egal, mir ist eh alles egal. Dann habe ich eben keine Arbeit. Ja und? Ich komme auch so über die Runden. Das interessiert mich alles nicht mehr.“
Der Priester hörte sich die Geschichte des Mannes an und glaubte Ihm. Er glaubte Ihm, das er seinen Weg gefunden hat mit der Arbeitslosigkeit umzugehen.
Und genau das war wohl falsch.
Beim hinausgehen hatte der Priester noch einen kurzen Plausch mit der Ehefrau. Sie sagte dem Priester, das Ihr Mann gar nichts akzeptiert hat. Es ist Ihm nicht egal. Er hat nur einen Schutzwall um sich aufgebaut. Er verdrängt die Situation, und deshalb ginge es Ihm gut. Scheinbar. Und nur nach außen hin. In Ihrem Mann sieht das ganz anders aus.
Aber Sie könne leider nichts für Ich tun. Wie auch. Soll Sie Ihm Arbeit beschaffen?
Ihr Mann hat abgeschaltet. Lässt nichts mehr an sich heran.
Beim nächsten Besuch des Priesters in diesem Hause, hat er der Frau Beistand geleistet und die kirchlichen Formalitäten für die Beerdigung geregelt. Die Beerdigung für Ihren Mann.
Er war vollkommen gesund. Aber er wollte nicht mehr.
Scheinbar kam er mit seiner Situation klar. Aber er hat verdrängt. Nicht verarbeitet.. Er hat nichts schlechtes mehr an sich herangelassen. Es war Ihm ja egal. Scheinbar. Aber dadurch das er nichts negatives mehr an sich herangelassen hat, dadurch hat er auch nichts positives mehr wahrgenommen. Wo keine Täler sind, da können keine Berge sein. Und wo keine Berge, oder nichts positives mehr ist. Da will man nicht Leben. Der Mann hätte besser auf seine alte Firma geflucht und denen vor lauter Frust nen Stein durchs Fenster geworfen. Er hätte laut schimpfen sollen und an der Theke mit der Faust gegen „seinen“ alten Laden wettern müssen. Nur dann hätte er abends vorm schlafen gehen die positiven Seiten des Lebens sehen können. Den Kindern geht es gut. Ich habe mein ein,- und auskommen. Das Haus ist bezahlt. Ich bin gesund. Ich habe eine liebe Frau usw. ... Aber er hat diese ganze Gebirge aus den unzähligen Bergen nicht sehen können, weil es für Ihn keine Täler mehr gab. Weil er die Tiefen des Lebens ignorierte konnte er die Höhen nicht mehr sehen. Und wenn es keine Höhen gibt ist das Leben nicht Lebenswert. Kein Zustand kann ohne seinen Gegensatz existieren. Ohne dunkel kein hell. Ohne krank kein gesund. Ohne böse kein gut und ohne Täler wie in diesem Fall, keine Berge. Und ein Leben ohne Berge war für Ihn nicht Lebenswert.
Deshalb hat er sich gegen sein Leben entschieden.
Lasst zu wenn es Euch schlecht geht. Wenn Ihr das nicht tut, könnt Ihr Euch auch nicht am Leben freuen.
Und das Leben ist verdammt schön und einzigartig.
Auch wenn es so oft schwierig ist.
Aber genau diese Schwierigkeiten lassen uns die positiven Dinge des Lebens erst bewusst wahrnehmen.
Ein lieber Gruß
Gereon Kops
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3 Kommentare:
Hallo Gereon,
die Geschichte hat mich - warum erzähle ich dir gern mal bei einem Weizen - sehr zum Nachdenken gebracht.
Lasst zu wenn es Euch schlecht geht. Wenn Ihr das nicht tut, könnt Ihr Euch auch nicht am Leben freuen.
Und das Leben ist verdammt schön und einzigartig.
Auch wenn es so oft schwierig ist.
Aber genau diese Schwierigkeiten lassen uns die positiven Dinge des Lebens erst bewusst wahrnehmen.
Danke für diese Sätze und diese haben mich dazu gebracht über meiner Leben nachzudenken.
Nochmal vielen Dank
Stefan
Was mir mal wieder zu diesem Bericht eingefallen ist und was auch zu diesem Bericht passt.
Ohne Liebe kann kein Hass exestieren, was ich damit sagen will ein Mensch der mir egal ist kann ich weder hassen noch lieben. Und wenn ich einen Menschen hassen kann, sind aber auch noch die Gefühle der Liebe und sind sie noch so gering in mir!!!
Gruss
ST.B.
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